07.09.2012

Ein Hirn zwei Systeme

Unser Gehirn ist wahrscheinlich das grösste Mysterium unserer Zeit. Obwohl wir im Stande sind unglaubliche Maschinen zu bauen die Milliarden von Rechnungen in einer Sekunde lösen können oder uns erlauben Roboter auf den Mars zu schicken, fangen wir erst richtig an die Funktionsweise unseres Gehirns zu verstehen.

In der Wissenschaft wird generell akzeptiert, dass im Gehirn 2 Systeme parallel und in gegenseitiger Zusammenarbeit existieren. Es ist nicht klar definiert wo diese Systeme genau im Hirn situiert sind, aber man weiss ungefähr was für Aufgaben diese beiden Systeme haben.

System 1: Das schnelle instinktive unbewusste

Jede Information die durch unsere Sinne auf uns zukommen werden als erstes vom System 1 bearbeitet. Dies geschieht in unserem Unterbewusstsein und entzieht sich unserer Kontrolle. Das System trifft die meisten Entscheide selbstständig ohne uns zu konsultieren. Ja das mag manche nicht unberührt lassen. Ein grossteil unserer Entscheide werden von einem System übernommen, dass wir mit unserem Ego nicht beeinflussen können!
Das System 1 entwickelt sich laufend während der ganzen Dauer unseres Lebens. Es speichert Informationen, vor allem solche die mit einer Emotion verbunden wurden. Aus der Datenbank dieser Informationen, unserer Erfahrungen, entscheidet es in jeder Situation was am sinnvollsten ist für unser Überleben. So ist es zum Beispiel im Stande auf den ersten Blick zu entscheiden ob eine Person vertrauenswürdig ist oder nicht. Dies mag nicht immer mit der Wirklichkeit übereinstimmen aber, ob wir es wollen oder nicht, der erste Eindruck genügt um eine Person zu beurteilen. Dementsprechend wird uns diese als sympatisch oder als unsympathisch erscheinen.

System 2: Das träge logische bewusste

Das System 2 entspricht  unserem ich, womit wir uns identifizieren. Es ist unser Bewusstsein. Dank diesem System können wir gleichzeitig mehrere Aktionen tätigen. Wir können Entscheide treffen auf der Basis von Faktoren und Argumenten. Wir können unsere Aufmerksamkeit leiten. Wir können abstrakt denken und analysieren. Doch wenn wir das System 2 benutzen ist das anstrengend und braucht viel Energie.

Rechnen Sie bitte folgendes Resultat aus: 32 x 17 = ?

Sie haben soeben das System 2 benutzt um diese Rechnung zu lösen. Dies brauchte wahrscheinlich Überwindung und Konzentration. Das Resultat ist übrigens 544. Wir benutzen das System 2 jedes Mal wenn wir etwas neues erlernen. Darum sind wir auch müde wenn wir Kurse machen oder wenn wir eine neue Fremdsprache lernen.

System 1 und System 2 arbeiten Hand in Hand

Das System 2 prüft auch die Vorschläge von System 1, wenn dieses nicht alleine entscheiden will. System 1 kann als das Bauchgefühl betrachtet werden. Das System 2 als das analytische denkende. 

Wie wir gesehen haben benutzen wir beim lernen von Neuem das System 2. Weil wir keine Erfahrungswerte haben, müssen wir mühsam jeden Ablauf durch geleitete Aufmerksamkeit betrachten und aufnehmen. Die Erfahrungen die wir sammeln bilden in unserem Hirn Verbindungen. Es gibt Erfahrungen die einmalig bleiben und nicht mehr benutzt werden. Diese Verbindungen lösen sich wieder auf und andere die sich wiederholen verfestigen sich stetig und werden grösser.
Mögen Sie sich an die erste Autofahrstunde erinnern? Sie mussten Ihre ganze Konzentration aufbringen um das Auto auf der Strasse zu halten. Nach Hunderten von Stunden am Steuer können Sie jetzt ohne Probleme gleichzeitig zum Fahren Radio hören oder mit dem Beifahrer sprechen. Durch das stetige Training wurden die Bewegungsabläufe durch das System 1 übernommen. Diese sind automatisch und instinktiv. Das System 2 ist davon befreit und kann sich auf anderes konzentrieren.
Wenn wir gehen, atmen, fernsehen oder die Zähne putzen, brauchen wir kaum unser Bewusstsein. Die Routineaufgaben in unserem Leben werden vom System 1 übernommen. Es bleibt so Platz für unser System 2 sich mit Neuem zu befassen. Dank diesem Zusammenspiel der beiden Systeme, sind wir im Stande immer weiter zu lernen. Unser Gehirn ist ein unglaubliche Errungenschaft der Evolution.

Die Zeit die immer schneller vergeht

Die Zusammenarbeit der beiden Systeme hat jedoch einen ungewollten Nebeneffekt. Wenn wir aufhören zu lernen und uns mit Neuem zu umgeben, wird unser System 2 nicht mehr genug gefordert. Das Leben wird zur Routine. Wie wir gesehen haben übernimmt das System 1 die Routineabläufe. Die Abläufe die durch das System 1 gesteuert werden, sind uns unbewusst. Unser Bewusstsein erhält immer weniger Impulse da immer mehr Routineaufgaben vom System 1 übernommen werden. Die Zeit erscheint uns als ereignisloser und kürzer. Aus diesem Grund, fühlen wir das die Zeit mit zunehmendem Alter immer schneller vergeht.

Ein sehr interessantes Buch im Zusammenhang mit diesem Artikel: Schnelles Denken, langsames Denken  

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